Chronik des Ortes Klein Gaglow

Klein Gaglow (wendisch Gogolowk)

Gogolowk = Weißdornhecken, KleinGaglow01_500x

mit einer Weißdornhecke umgeben.

 

Das Dorf war sächsisch und gehörte 1757 zum Amt Spremberg im Sprembergischen Kreise. Nach dem Wiener Kongreß 1815 wurde das Dorf brandenburgisch. „Gogolow minor“ (Klein Gaglow) wurde bereits 1389 urkundlich erwähnt, als „Kleinen Gogolow“ 1466 und „Klein Gaglaw“ 1538 gehörte es zu den Ritterschaftsdörfern. 1466 wird als Besitzer v.d.Berg genannt. Ihm folgten v. Pannewitz (1538-1643), v. Bomsdorf (1647-1699), v. Pannewitz (1699-1753), Nadeborn (1777), v. Obernitz (1811), Uttech (1840), nach der Separation Kreutz und Schneider aus Brunschwig auf dem Berge, danach Zücker (1910).

Ein Pächter namens Wrede bewirtschaftete das Gut Klein Gaglow bis 1945. Es wurde im Zuge der Bodenreform in der SBZ (sowjetische Besatzungszone) an Neusiedler und landarme Bauern aufgeteilt.

Ursprünglich betrug die Gemarkungsgröße 463 Hektar. 1975 wurden die Gemarkungsteile nördlich der Bundesautobahn 15 einschließlich des Wohngebietes Klein Gaglow – Ausbau, aber mit Ausnahme des Friedhofes, in die Stadt Cottbus eingemeindet.

Klein Gaglow war bis 1928 in den selbständigen Gutsbezirk und das Dorf unterteilt. Die Dorfbevölkerung setzte sich zu Beginn des 19. Jahrhunderts aus Kossäten, Häuslern und Bündnern zusammen, deren wirtschaftliche Existenz in der Mehrzahl eng mit dem Gut verbunden war. Die frühkapitalistische Entwicklung machte auch um Klein Gaglow keinen Bogen. Bereits 1864 waren eine Brauerei, eine Brennerei, eine Schäferei, eine Windmühle (Windmühlenweg) und Ziegeleien im Ort ansässig.  Eine Ziegelei befand sich noch im letzten Jahrhundert im Bereich der jetzigen Bergstrasse und war mit dem Namen des einstigen Rechtsanwaltes Reinefarth familiär verbunden. Das Gut hatte sein Betriebsprofil ganz auf die Bedürfnisse der nahen Stadt ausgerichtet.

Die Stadt Cottbus baute um 1897 in der Gemarkung Klein Gaglow ein Wasserwerk, das der Gemeinde zusätzliche Steuereinnahmen brachte.

Die wirtschaftliche Entwicklung in der nahen Stadt und auch im Dorf ließ die Bevölkerung ständig weiter ansteigen (1818 = 116 EW; 1900 = 287 EW; 1925 = 386 EW; 1939 = 720 EW; 1971 = 621 EW; 1992 = 319 EW). Eine Ursache des Bevölkerungszuwachses vor 1939 war der Wunsch nach einem eigenen Wohnhaus mit Grundstück im stadtnahen Umland. So entstanden die Wohnbereiche Klein Gaglow – Ausbau (heute Kiefern- und Lerchenstrasse) und Windmühlenweg.

Das Wasserwerk hatte in der Gemarkung Klein Gaglow südlich der A15 bis zur Brunnenstrasse ein gartenbaulich genutztes Areal mit Gewächshaus und Nebengebäuden. Dies war der Grundstock für den Kreisobstbaubetrieb ab 1958. Er war Ausgangspunkt des späteren VEG Obstbau im Bezirk Cottbus zu Beginn der siebziger Jahre. 1958 gründete sich in Klein Gaglow die LPG „Harmonie“, die nach dem Typ I wirtschaftete. Ab 1961/62 erfolgte der Übergang zum Typ II. Wirtschaftlich stand sich die Genossenschaft sehr gut, so dass bereits 1961 erste genossenschaftliche Bauten errichtet wurden (Schleppergarage, Fuhrwerkswaage). 1962/63 folgten die Schweinemastanlage (Schweinehütten) und die Bergescheune (heute Meier´s Markt). Alfred Buckow hatte hieran großen Anteil. Größere landwirtschaftliche Produktionseinheiten zu schaffen, war die politische Forderung der siebziger Jahre. Dies führte zum Zusammenschluss der LPG Klein Gaglow mit dem VEG Obstbau – Sitz Klein Gaglow – im Jahre 1973/74. Das VEG nahm bis 1989 eine gute Entwicklung, ging jedoch 1990/91 in die Liquidation.

Träger des Gemeinschaftsleben im Ort ist die Freiwillige Feuerwehr. 1996 feierte sie ihr 65. Gründungsjubiläum. Neben der obligatorischen Tätigkeit, auch als Helfer bei Verkehrsunfällen auf der BAB 15 und der B 169, wird große Aufmerksamkeit der Jugendfeuerwehr und dem Feuerwehrsport gewidmet. Die große Anzahl von Pokalen im Versammlungsraum des Feuerwehrgerätehauses, das in freiwilliger Arbeit der Kameradinnen und Kameraden aus einer ehemaligen Bauernscheune entstand, legt Zeugnis von den erzielten Erfolgen ab. Großen Anteil daran hatte Werner Rückmann. In seinem Sinne setzten Heinz Schimke und Siegmund Rückmann die Arbeit fort.

Sportbegeisterte Klein Gaglower Bürger gründeten im Jahre 1947 einen Sportverein, der jedoch nach kurzer Zeit seine Tätigkeit wieder aufgab. Der Sportverein „SG Blau Weiß“ Klein Gaglow wurde 1954 gegründet und verschrieb sich dem Fußballsport und dem Frauenhandball. Zeitweise bestand auch eine Frauengymnastikgruppe. Gegenwärtig widmet sich die SG hauptsächlich dem Fußball der verschiedenen Leistungs- und Altersklassen auf Kreisebene. Ein eigener Fußballplatz und ein Sportlerheim sind die Heimstatt der Klein Gaglower Sportler und für Sportler aus den Nachbarorten.

Erwähnenswert ist, dass in Klein Gaglow auch ein Gesangsverein tätig war, der noch in den fünfziger Jahren das Dorfleben bereicherte.

Neben der traditionellen Landwirtschaft haben auch Handwerksbetriebe das Dorfbild geprägt, so die Schmiede Jurisch, heute Metallbau Jurisch & Junior, die Stellmacherei Knothe / Rückmann, heute Karosseriebau und Autohaus Siegmund Rückmann, die Gärtnereien Wank und Hannusch. Neue Handwerksbetriebe entstanden in jüngster Zeit, wie die Heizungsfirma Ralf Wehmhoff und der Elektroinstallationsbetrieb Torsten Schimke.

Seit dem 5. Dezember 1993 ist Klein Gaglow ein Ortsteil der amtsfreien Gemeinde Kolkwitz. Neue Wohngrundstücke entstanden zwischenzeitlich im Bereich Bergstrasse / Windmühlenweg. Ein Gewerbegebiet befindet sich an der Kreuzung B 169 / L 50 im Entstehen und wird dem Ort und der Umgebung weiteren Aufschwung geben.

 

Verfasser: Dr. Ulrich Noack

Auszug aus „700 Jahre Kolkwitz“